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Antonia Groten
Tobit.Software
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Ohne eigene IT-Abteilung, mit einem Team von eineinhalb Personen und einem Vereinsbudget ohne Spielraum für Großprojekte: Der VVV-Stadt- und Citymarketing Nordhorn e.V. zeigt, wie aus einem gelösten Verwaltungsproblem Schritt für Schritt eine digitale Stadtplattform entsteht. 700.000 Euro Gutscheinvolumen, 150 Prozent mehr Seitenaufrufe innerhalb eines Jahres und ein KI-Agent, der rund um die Uhr Bürgeranfragen beantwortet. Und der erste Schritt war ein Gutschein.
Marina Holthaus leitet das Stadtmarketing des VVV Nordhorn e.V., gemeinsam mit einer Kollegin in Teilzeit. Einmal im Jahr, kurz vor Weihnachten, türmten sich auf ihrem Schreibtisch die Gutscheine. Tausende Exemplare, beschriftet, manuell in Excel-Tabellen erfasst. „Das war wirklich Auszubildendenarbeit. Gutscheine beschriften, stickern, abzählen, abrechnen. Wir sind sehr erleichtert, dass das nicht mehr da ist", sagt sie. Heute läuft derselbe Prozess weitgehend automatisiert. Und aus dem gelösten Gutschein-Problem ist etwas geworden, das weit darüber hinausgeht.
Der Nordhorn Gutschein war schon lange ein fester Bestandteil des lokalen Stadtmarketings, seine Verwaltung aber vollständig analog. Gutscheine konnten nur vollständig eingelöst werden, Akzeptanzstellen konnten nicht selbst scannen, jede Einlösung bedeutete Postweg, manuelles Scannen und händische Abrechnung. Als andere Gutscheinsysteme in der Region auf digitale Teileinlösung umstiegen, war klar: Stillstand war keine Option.
Den entscheidenden Impuls brachte eine Exkursion im Rahmen eines Euregio-Digitalisierungsprojekts nach Ahaus, wo das Team die Plattform von Tobit.Software kennenlernte. Die Umsetzung brauchte Zeit und intern zunächst Überzeugungsarbeit. Den Ausschlag gab am Ende der Wettbewerb.
Mit der Digitalisierung des Gutscheins verschwanden die größten organisatorischen Engpässe. Händler konnten erstmals selbst scannen, die Abrechnung lief automatisiert, Käufer mussten ihr Guthaben nicht mehr auf einmal ausgeben. Heute verkauft der VVV Nordhorn jährlich rund 22.000 Gutscheine mit einem Gesamtvolumen von etwa 700.000 Euro. Rund 140 Geschäfte und Gastronomiebetriebe nehmen teil. Weil nicht eingelöste Gutscheine nach Ablauf ihrer Gültigkeit an den VVV zurückfließen, stehen im Durchschnitt jährlich rund 30.000 Euro zusätzlich für Stadtmarketingmaßnahmen zur Verfügung.
Was den Fall Nordhorn über die Gutschein-Digitalisierung hinaus interessant macht: Die technische Grundlage, die dabei entstand, musste kein zweites Mal gebaut werden. Als Tobit.Software die SuperApp™ vorstellte, konnte der VVV direkt aufsetzen, ohne neue Infrastruktur, ohne erneuten Freigabeprozess im App Store, ohne zusätzliches Budget für eine Individualentwicklung, die den Vereinshaushalt gesprengt hätte.
Heute bündelt die NORDHORN SuperApp™ den Stadtgutschein, Stadtinformationen und Veranstaltungen, den digitalen Fahrrad- und Bootsverleih sowie den KI-Agenten Nina in einer Anwendung. Inhalte von der Website lassen sich direkt übernehmen, ohne doppelte Pflege. Innerhalb eines Jahres stiegen die täglichen Seitenaufrufe von 3.334 im Juni 2025 auf 8.454 im Juni 2026, ein Plus von mehr als 150 Prozent. Rund 95 Prozent aller Zugriffe erfolgen mobil.
„Eine Plattform zu schaffen, über die alle Informationen in einer App verfügbar sind – das ist für eine Stadt eigentlich genau das, was man braucht", sagt Holthaus.
Eine Plattform allein erzeugt noch keine Nutzung. Der VVV Nordhorn setzte deshalb von Beginn an auf konkrete Kampagnen, die Bürgerinnen und Bürger aktiv in die App führen. Im Jubiläumsjahr des Vereins entstanden zwei besonders wirkungsstarke Aktionen. Im März wurden digitale Gutscheine per Kompassfunktion in der Stadt versteckt und konnten über die App gefunden werden. Das gesamte Aktionsbudget war innerhalb weniger Tage ausgeschöpft. Ab Mitte Juni folgte ein WM-Tippspiel, das über mehrere Wochen ein dauerhaft höheres Aktivitätsniveau auf der Plattform etablierte.
„Beim nächsten Mal würde ich das noch ein bisschen optimieren – zum Beispiel besser limitieren. Aber dass es so gut ankam, hat uns wirklich überrascht", sagt Holthaus.
Mit der technischen Plattform stand auch der Einstieg in KI-gestützte Bürgerservices offen. Der VVV integrierte den KI-Agenten Nina, der Fragen zu Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten und touristischen Angeboten beantwortet, auf passende Ansprechpartner verweist und Bürger direkt zu Formularen führt. Tobit.Software stellte eine vorbereitete Wissensdatenbank bereit, die anschließend an die Gegebenheiten in Nordhorn angepasst wurde. Im ersten Monat beantwortete Nina 60 Bürgeranfragen direkt über die Plattform.
„Das hat mir hohe Kosten gespart. Bei anderen Homepage-Anbietern hätte ich wahrscheinlich um die tausend Euro für so eine schwebende KI hingelegt", sagt Holthaus.
Inzwischen nutzen 2.856 registrierte Bürgerinnen und Bürger die Plattform. Langfristig soll die SuperApp für den VVV nicht nur ein zusätzliches Angebot sein, sondern zum zentralen digitalen Kommunikationskanal werden. „Dass wir diese Newsletter über E-Mail irgendwann komplett weglassen können und wir dann nur noch die SuperApp als Hauptkommunikationsmittel nutzen – das wäre so mein Wunsch", sagt Holthaus.
Nordhorn zeigt, dass kommunale Digitalisierung nicht mit einer fertigen Smart-City-Strategie beginnen muss. Entscheidend ist, mit einem Problem zu starten, das sich unmittelbar lösen lässt. Alles andere kann daraus folgen.
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Tobit Software entwickelt seit 1986 am Standort Ahaus digitale Plattformen für Unternehmen, Kommunen und Organisationen. Rund 200 Mitarbeitende entwickeln Lösungen für Kommunikation, Zusammenarbeit und digitale Geschäftsprozesse. Zum Portfolio gehören SideKick™, ein KI-System mit mehr als 50 integrierten Sprachmodellen sowie die SuperApp™ für Kommunen und Organisationen. Technologische Basis ist chayns®, ein cloudbasiertes Betriebssystem für digitale Plattformen und KI-Anwendungen. Das Partnernetzwerk umfasst mehr als 2.000 Unternehmen im deutschsprachigen Raum.